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Schnellste Messung von Molekülvibrationen
10.03.2006 | 10:37 Uhr

Heidelberger Max-Planck-Forscher und britische Wissenschaftler verfolgen die Bewegung von Atomkernen in Molekülen mit einer Rekord-Zeitauflösung

Schnellste Messung von Molekülvibrationen
Rohdaten der gemessenen UV-Strahlung, die von Wasserstoff (H2)- bzw. Deuteriummolekülen (D2) unter dem Einfluss eines starken Laserpulses emittiert wird. Zunehmende Pixelnummer entspricht abnehmender UV-Wellenlänge. Die stärkere Intensität des D2-Signals spiegelt die langsamere Vibration im Vergleich zu H2 wider.
Bild: Imperial College London

Werden Atome oder Moleküle von einem kurzen intensiven Laserpuls getroffen, geben sie hochfrequente Strahlung im extremen UV-Bereich ab. In Molekülen wird dieser Prozess von den Schwingungen der Atome beeinflusst. Vergleicht man die Spektren von unterschiedlich schweren, aber sonst gleichartigen Molekülen (Isotopen), dann kann man aus der gemessenen Strahlung auf die Bewegung der Atome schließen. Mit dieser Methode gelang es dem Forscherteam erstmals, Informationen über die Zeitentwicklung des Moleküls zu erhalten - und zwar schon mit einzelnen, extrem kurzen Laserpulsen.

Die Messung von zeitabhängigen Abläufen in Molekülen wurde in den letzten Jahrzehnten durch die ständige Verbesserung der Lasertechnologie revolutioniert. Einen gewaltigen Fortschritt bedeuteten Femtosekundenpulse: Extrem kurze Laserblitze, die nur einige Billiardstel Sekunden (10-15 s) dauern. Das Licht legt in dieser Zeit nur tausendstel Millimeter zurück. Zum Vergleich: Während der normalen Verschlusszeit einer Fotokamera (1/60 s) schafft Licht die Strecke zwischen Berlin und New York. Mit Femtosekundenpulsen konnten Nobelpreisträger Ahmed Zewail und andere vor etwa 20 Jahren erstmals den Zeitverlauf chemischer Reaktionen in Echtzeit verfolgen. Ihre Experimente basierten stets auf dem Pump-Probe-Prinzip: Ein Laserpuls startet eine Reaktion (Pump), ein zweiter Puls macht eine Momentaufnahme des Moleküls (Probe). "Filmen" kann man die zeitlichen Vorgänge im Molekül, indem man hintereinander viele Einzelaufnahmen mit unterschiedlichen Verzögerungszeiten zwischen Pumppuls und Probepuls herstellt.

Doch die bislang schnellsten Messungen zur Moleküldynamik wurden jetzt mit einem neuen Messverfahren am Imperial College London durchgeführt (Blackett Laboratory Laser Consortium, Direktor Prof. Jon Marangos). Die Grundlage dafür bildet eine Theorie, die von Forschern der Max-Planck-Gesellschaft um Dr. Manfred Lein ausgearbeitet wurde. In den neuartigen Experimenten wird nur ein einzelner Femtosekunden-Laserpuls auf die Probe geschickt. Dieser Puls erzeugt ein elektrisches Feld, das ausreicht, um den bestrahlten Molekülen zu gewissen Zeitpunkten ein Elektron zu entreißen. So wird in dem aus dem Gleichgewicht geratenen Molekülrumpf ein Bewegungsablauf angestoßen. Weil das Feld des Laserpulses periodisch die Richtung wechselt, kann es das freie Elektron zum Ion zurücktreiben. So können sich Elektron und Molekülrumpf wieder vereinigen - und dabei ein hochfrequentes UV-Photon aussenden. Dieser Prozess - und damit die Intensität der UV-Emission - wird um so unwahrscheinlicher, je weiter sich das Molekül in der Zwischenzeit von der Anfangskonfiguration entfernt hat. In der Sprache der Quantenmechanik: Die Wahrscheinlichkeit für Rekombination hängt vom Überlapp zwischen Anfangs- und Endwellenfunktion der Atombewegung ab. Durch Messung der Intensität des UV-Lichtes kann man also auf die zeitliche Entwicklung des Moleküls schließen.

Weiter lesen:

» Max-Planck-Gesellschaft (Pressemitteilung)


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