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Wo das Gehirn Gehörtes und Gefühltes miteinander vermischt
20.10.2005 | 13:27 Uhr

Tübinger Max-Planck-Wissenschaftler erforschen, wie das Gehirn auditorische und taktile Informationen im auditorischen Kortex verrechnet

Wo das Gehirn Gehörtes und Gefühltes miteinander vermischt
Sensorische Reize treten selten allein auf, sondern entstehen durch die Interaktion mit unserer Umwelt. So entstehen durch die Manipulation eines Gegenstandes mit der Hand Geräusche - hier im Bild illustriert durch die Schallwelle und ihr Frequenzspektrum. Die Information über diese Reize wird durch das Ohr bzw. den Tastsinn aufgenommen und irgendwo im Gehirn miteinander verrechnet. Wo genau dies geschieht, kann man mit Hilfe von funktioneller Bildgebung untersuchen.
Bild: Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Wenn Sinneswahrnehmungen aus unterschiedlichen Sinnesorganen im Gehirn verarbeitet werden, dann werden diese Informationen miteinander verrechnet - zum Beispiel Sprache und visuelle Information beim Anblick eines Bauchredners. Mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanz konnten Forscher am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen zeigen, dass das Verrechnen von Informationen aus den Ohren und dem Tastsinn schon im Hörzentrum des Gehirns (auditorischen Kortex) stattfindet, also früher, als klassisch angenommen.

Im Alltag greift das Gehirn auf Informationen aus verschiedenen Sinnesorganen gleichzeitig zurück, um sich ein "Bild" seiner Umgebung zu machen. Die Verschmelzung von Informationen aus verschiedenen Sinnesorganen, "Multisensorische Integration" genannt, spielt also eine wichtige Rolle.

Viele Tätigkeiten lassen sich nur schwer erledigen, wenn das Gehirn nicht Informationen aus verschiedenen Quellen gleichzeitig bekommt. Andererseits kann man mit Hilfe der Multisensorischen Integration auch Illusionen erzeugen. Ein bekanntes Beispiel ist der "Bauchredner-Effekt": Hört man eine Stimme (z. B. aus einem Lautsprecher) und sieht gleichzeitig ein Gesicht oder einen Mund, die sich zum Sprechen bewegen, dann scheint die Stimme vom Mund auszugehen - selbst wenn dieser, wie im Falle eines Bauchredners, zu einer Puppe gehört. Für die anderen Sinne sind ähnliche Effekte bekannt: Reibt man die Hände aneinander, dann entsteht ein Geräusch, anhand dessen man die Trockenheit bzw. Rauheit der Hände bestimmen kann. Wird dieses Geräusch geschickt manipuliert, dann schätzen Probanden ihre Haut völlig anders ein.

Weiter lesen:

» Max-Planck-Gesellschaft (Pressemitteilung)


Bücher zum Thema:  Sinneswahrnehmung  


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